SEETOR DRESDEN 1

Fakten

Entwurf zum Ideenwettbewerb
Zeitraum
12.07.2002 - 16.07.2002

Kunde
Stadt Dresden, Kulturamt

urbikon Verantwortliche
Kai Dolata,

Entwurf

Zwei 6 Meter hohe Stehlen, bestehend aus jeweils 3 Stahlrohren a 4 cm Durchmesser bilden die Grundgerüste, die über jeweils ein Fundament gehalten werden.

In einer Höhe von 3,5 bis 5,5 Meter befinden sich pro Stehle drei Spiegel, die jeweils 45° in der horizontalen um ihre an den Stehlen befestigte Achse gedreht werden können. Dabei wird die Kraft zur Drehung von unten über Ketten und Zahnräder übertragen. Durch die mechanische Übertragung fallen keine technische Folgekosten an, außer Öl zum Schmieren der Achsen und Ketten.

Die Paravents haben je eine Höhe von 1,80 m. Sie sind an einem Ende an ihrer Stehle befestigt, bestehen aus drei 80 cm breiten Einzelteilen, die beliebig gedreht werden können. Auch hier verändern sie ihre Positionen nur durch den Einfluss der benutzenden Person. Sie bieten Schutz und visuellen Ruhepunkt im Verkehr an dieser Stelle der Stadt.

Das Dresdner Seetor grenzte in der Vergangenheit die Stadt in Richtung Süden vom Land ab. Es war Zoll und Passierstelle in einem, Grenzposten und Blockade. Menschen und Waren wurden bevor sie in die eine oder die andere Richtung das Tor passierten kontrolliert.

In der Funktion der Beobachtung soll das Tor wieder generiert werden. Ein Innen und ein Außen, deren klare Grenze und Verbindung das Stadttor in der Vergangheit darstellte, ist in seiner ursprünglichen Form an dieser Stelle der Stadt nicht mehr auszumachen. Die Menschen und Warenströme verkehren in alle Richtungen, gelenkt durch pedestriale und automobile Verkehrsachsen. Ein klarer Überblick ist kaum zu bewerkstelligen.

Mit Hilfe von Spiegeln, die über mechanische Handräder in einem begrenzten Winkel bewegt werden können, wird Passanten die Möglichkeit geboten, nahende Personen und Fahrzeuge fast unbemerkt zu beobachten. Die Beobachteten können wiederum durch den Rückblick die den Spiegel bedienende Person sehen bzw. in einem andern Winkel ganz andere Ströme ausfindig machen. Ein unablässiges Gegen- und Miteinander von visuellen Beziehungen eröffnet sich.

Die Beidienung der Handräder erfolgt in kleinen "Torhäuschen": zwei Paravents aus 3 mm starken in Acrylglas getränkten Elbsandsteinplatten. Form und Oberfläche lehnt an die örtliche Tradition an, ein genaueres Betrachten offenbart das Paradoxon der Licht- und z.T. Blickdurchlässigkeit des Materials, dass den Beobachtenden auch ohne den Spiegel zum Beobachteten werden lässt.

Die Veränderung der Ausrichtung der Paravents ist als weiteres Indiz für die Veränderung des Torbegriffes in heutiger Zeit zu sehen. Der Schutz- und Aufenthaltsraum kann nicht eindeutig der Stadt zugekehrt werden, da sie sich in allen Richtungen befindet.

 

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