Beck's Gold Urban Experience

Fakten

29.10.2009
Status
realisiert
Leistungen
Installation
Auftraggeber
Silk-Relations
Ort
Haus am Köllnischen Park, Berlin
verantwortlich bei urbikon
Kai Dolata, Lola Meyer, Sebastian Stiess,

 

Unser Beitrag zur Becks Gold Urban Experience besteht aus zwei Teilen. Der bauliche Teil vor Ort ist verwoben mit der Arbeit von Luis Berrios-Negrón & The Product. Wir haben sein abstahiertes Stadtmodell um eine befahrbare Infrastruktur ergänzt: Eine teils gekaufte, teils selbstgebaute Carrerabahn, die sich durch die bestehende Struktur windet, ermöglicht es den Gästen, sich spielend zu den Turtles in Beziehung zu setzen.

Der zweite Teil unserer Arbeit ist immaterieller Natur und spiegelt unsere Einstellung zur Stadt und zum Thema „urban Lifestyles“: Die Stadt ist ein Konglomerat aus einer Bandbreite von Phänomenen und Eindrücken. Nicht allein die baulichen Strukturen formen das urbane Gebilde, sondern auch Klima, Tempo, Geräusche, Licht und vor allem die in ihm oszillierenden Menschen. Die urbane Erfahrung ist ein Taumeln zwischen Prognostizierbarem und Unvorhersehbarem, Gewolltem und Ungewünschtem, von Anziehung und Ablehnung. 

Dabei agieren verschiedenste Gruppen im Stadtraum. Einige sind stärker verwoben mit dem städtischen, andere weniger. Jeder kennt die fast schon zu Ikonen gewordenen Alltagsgestalten im Berliner Stadtbild: Die Bratwurstverkäufer mit ihren Schirmchen, der Ticketanbieter am U-Bahnhof, der Rosenverkäufer zu später Stunde und die mehr oder weniger talentierten Kleinkünstler unterschiedlicher Coleur. Diese Menschen leben von der Stadt und sind vielleicht sogar Indikatoren von Urbanität. 

Die Urbanität schätzen und mit gestalten tut auch die Kreative Class. Anhänger dieser Gruppe sind häufig unterwegs, durchforsten die Stadt nach coolen Locations, nach Attraktionen und besonderen Orten. Zudem frequentieren sie die Cafes, Restaurants und Bars, bespielen ungenutzte Orte und arbeiten gerne im Öffentlichen Raum. 

Beide Gruppen kennen die Stadt sehr gut und treten doch fast nie in Interaktion miteinander. Denn die Akteure agieren jeweils nach bestimmten und nur ihnen verständlichen Plänen und Mustern, handeln und bewegen sich innerhalb ihres vertrauten Horizontes.  Die Überlagerung dieser Horizonte ist urbane Realität.

Der Bratwurstverkäufer weiß, an welchem Ort der größte Umsatz zu erwarten ist, der Fahrer des tiefer gelegten Autos kennt Blitzer und Straßenverhältnisse, die Partybegeisterten finden zielstrebig ihre "coolsten Spots" auch im entlegensten Winkel der Stadt. 

Im Workshop und während des Abends werden einige der  „Alltags-Ikonen“ , eine rumänische Straßenband, ein Rosenverkäufer und zwei Flaschensammler, ihre angestammten Plätze verlassen auf unsere Einladung hin ihren Alltagsraum in den temporären Veranstaltungsraum verlegen. Alle Anwesenden können in einen aktiven oder passiven Austausch mit Ihnen treten und damit -zumindest in Fragmenten- am urbanen Realismus, an der Überlagerung der Aktionsräume, teilhaben. Bis sie wieder zurückgehen in ihren eigenen Teil von Stadt.

 

 

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