DIE STADT ALS SUMME VON ORTEN

Informationen

in "evolutionäre Zellen",
evolutionäre Zellen, 2003
Autoren
Kai Dolata, Michael Grzesiak, Sebastian Stiess,

»anderes-dresden« ist ein Modell neuen städtischen Lebens und Handelns für die Stadt Dresden. Die lnternetplattform versucht durch eine andere Wahrnehmung und Interpretation von Stadt, eine zeitgenössische Urbanität zu entwickeln und diese anhand von Projekten umzusetzen.( ...)

Während man sich in den Köpfen am Bild der baulich homogenen, europäischen Stadt festgeträumt und festgeplant hat, suburbanisieren Baumärkte, Kaufparks und Einfamilienhäuser die grüne Wiese, lassen durch wiederaufgebaute Geschichtskulissen die Einwohner zu Touristen in ihrer eigenen Stadt werden. (...)

Durch Abwanderung und Leerstand werden die Maschen im Funktionsnetz der Stadt zunehmend größer, (...) Dieser aktuelle Zustand stellt die Frage nach einer anderen Interpretation von Stadt, nach neuen Wegen der Inbesitznahme von Raum und Fläche, nach einer neuen Urbanität.

»anderes-dresden« versucht, Stadt neu zu denken die Stadtwahrnehmung und den realen Erlebnisgrad miteinander zu verknüpfen und zu gestalten. Charakter, Identität und Realität der Stadt Dresden als Basis zu nutzen, um neue Formen städtischer Praxis zu erschließen und zu gestalten. »anderes-dresden« versucht die Stadt als Summe von Orten zu verstehen. Die momentane Situation Dresdens führte uns zu verschiedenen Orten In der Stadt: Leerstellen, Resträume, Baulücken und Brachen. Orte, die einen Reiz inmitten der Stadt darstellen. Orte, die man nicht mehr wahrnimmt, weil sie selbstverständlich sind, die man ausblendet, weil sie nicht gepflegt werden oder dort nichts stattfindet. Diese Orte sind Teil des Stadtbildes und bergen ein großes Potential. An diesen konkreten Orten entwickelten wir Projekte. Die vorgestellten Projekte eignen sich diese Orte an. Sie setzen sich mit dem Tun und Handeln der Menschen an den Orten und dem Denken über diese Orte auseinander. Das geschieht weniger durch die Gestaltung des Raumes, sondern vielmehr über die Gestaltung der Erlebnisse als Anregung zur Diskussion um deren Inhalte.

Die Projekte dienen als Medium, sich diese Inhalte zu erschließen. Aus den Projekten entwickelte Szenarien zeigen Möglichkeiten, wie mit Eingriffen an bestimmten Orten in der Zukunft Wirkungen entstehen können. Die bisher dargestellten Orte, Projekte und Szenarien sind als Beispiele einer Struktur zu verstehen, die durch neue Projekte und Ideen anderer erweiterbar ist. Dabei sind inhaltliche Konflikte zwischen verschiedenen Projekten nicht auszuschließen, sie sind vor dem Hintergrund der Diversität innerhalb einer Stadt sogar erwünscht. In der sich beschleunigenden Veränderung von Stadt, die keine Pauschallösungen und finalen Bilder mehr erlaubt, müssen die immer neu entstehenden Situationen gemeinschaftlich reflektiert werden. Experten wandeln sich von alleinherrschenden Schöpfern zu Beratern und Moderatoren. Deshalb ist es das Ziel des Portals «anderes-dresden«, Ideen darzustellen, Position zu den Geschehnissen in der Stadt zu beziehen, Diskussion, Meinungsäußerungen und Ideen anderer anzuregen. Das Portal dient der Ausbildung verschiedener Identitäten von Stadt und will damit ihre Entwicklung unterstützen.

»anderes-dresden« versucht Stadt »anders zu denken«, über Orte, Projekte und Menschen eine Struktur auf- und auszubauen. Es gibt kein Bild von dem, wie es einmal werden soll. Es gibt keinen Masterplan. Der Entwicklungsprozess und die Auseinandersetzung mit diesem und seine Gestaltung stehen im Vordergrund.

 

© 2001 - 2013 urbikon.com   |   Impressum   |   Letzte Änderung dieser Seite: 09.04.2010 | 09:35