REPUBLIC OF HARZ

Informationen

in "IBA Stadtumbau",
4/2010
Autoren
Kai Dolata, Stefan Rettich (KARO*)
Herausgeber
IBA-Büro GbR

Abb. 6.1-6.3 Republic of Harz

 

Abb. 1: Verteilung der Bevölkerung in Siedlungsflächen und Ländlichem Raum

 

Abb. 2: Demografische Entwicklung bis 2025

 

Abb. 3.1-3.4: Grenzgeografien im 20. Jahrhundert

 

Abb. 3.1-3.4: Grenzgeografien im 20. Jahrhundert

 

Abb. 3.1-3.4: Grenzgeografien im 20. Jahrhundert

 

Abb. 3.1-3.4: Grenzgeografien im 20. Jahrhundert

 

Abb. 4: Städtische Innovationszentren, Cluster-Cities und kulturhistorische Grenzräume mit Entwicklungspotential

 

Abb. 5.1-5.3 Strategie Mitteldeutschland

 

Abb. 5.1-5.3 Strategie Mitteldeutschland

 

Abb. 5.1-5.3 Strategie Mitteldeutschland

 

 

Das Siedlungsgebiet von Sachsen-Anhalt ist eine der Wiegen europäischer Stadtkultur. Die Region war im Mittelalter über lange Zeit eines der politischen und kulturellen Zentren in Europa und eine Quelle der Innovation, bedeutende Strömungen wie die Reformation nahmen hier ihren Ausgang. Die zahlreichen mit Burgen und Kathedralen bestückten und in ihrer Struktur oft gut erhaltenen Altstädte künden davon. Doch dieser mittelalterliche Mythos von einer städtischen Hochkultur verstellt den Blick auf die Realität: Sachsen-Anhalt ist ein äußerst dünn besiedeltes, in der Fläche von Landschaft und Landwirtschaft geprägtes Land. Daran haben weder die Ottonen noch die Phasen der Industrialisierung in der Gründerzeit und in der DDR etwas geändert: Lediglich 5,5% beträgt der Anteil städtischer Siedlungsfläche heute und während dort kaum die Hälfte der Bevölkerung lebt, wohnt die andere Hälfte verstreut im ländlichen Raum, in Dörfern und Kleinstgemeinden. (Abb.1/ Siedlungsfläche)

Die Einwohnerdichte zählt zu den niedrigsten in Deutschland*1 und daran wird sich perspektivisch nichts ändern, im Gegenteil. Das Land ist vom demografischen Wandel und von Abwanderung in besonders starker Form betroffen, es ist das am schnellsten schrumpfende Bundesland, dessen Einwohnerzahl sich im Verhältnis zur Nachwendezeit bis 2050 nahezu halbiert haben wird.*2 Dieser sich stetig ausdünnende, demografische Flickenteppich ist das zentrale Problem für die künftige Grundversorgung des Landes.

Demografische Schrumpfung muss zwar kein Problem sein, solange die Städte die volkswirtschaftlichen Defizite über ein langfristiges Wirtschaftswachstum abfedern können. Schrumpfende Städte und Regionen aber, die kein Wirtschaftswachstum erzielen, sind von Transfermitteln abhängig und werden zu einer strukturellen Belastung der öffentlichen Hand.

Demografie und Infrastruktur

Zum Glück für die ostdeutschen Städte war die dynamische Suburbanisierung der 1990er Jahre eine Interimsphase und gilt heute als weitgehend abgeschlossen. Auch in Sachsen-Anhalt sind als Trend eine Polarisierung der demografischen Entwicklung zu Gunsten der Städte und ein Wiedererstarken des Zentralen-Orte-Systems zu beobachten, die zu einer weiteren Stabilisierung des bestehenden Städtenetzes führen dürften. Stabilisierung bedeutet hier aber keinesfalls Einwohnerwachstum. Selbst den drei größten Städten Magdeburg, Halle und Dessau steht in den kommenden 15 Jahren ein weiterer Rückgang der Bevölkerung von 9-11% bevor. Mit Ausnahme des Saalekreises und der an Niedersachsen angrenzenden Landkreise Harz, Börde und des Altmarkkreises Salzwedel, die ähnliche Kenndaten wie die Großstädte aufweisen, wird in der Fläche eine Bevölkerungsabnahme von deutlich über 20%  erwartet. Für das gesamte Land bedeutet dies ein weiteres Abschmelzen der Einwohnerzahl von heute 2,37 Mio. auf 1,97 Mio. in 2025.*3 (Abb.2/ Demografie Prognose 2025)

Positiv ist dagegen die Annahme, dass das Wanderungssaldo gegenüber den anderen Bundesländern und dem Ausland bis zum Jahr 2025 ausgeglichen sein wird.*4 Dies setzt einerseits ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum in Sachsen-Anhalt voraus, verweist aber auch auf eine bereits vollzogene, strukturelle Veränderung der Bevölkerung. Während die meist Jungen und Mobilen das Land offenbar schon verlassen haben, wächst die Zahl der „nicht-mehr-abwanderungsfähigen“ Bevölkerungsteile, die u.a. aus Alten, Schulabbrechern, Personen mit Grundeigentum oder starken sozial-räumlichen Bindungen bestehen.*5 Eine weitere Besonderheit in Sachsen-Anhalt ist das kulturell verwurzelte und über Jahrhunderte gewachsene Landproletariat, das mit der Wende durch die hochindustrialisierte Bewirtschaftung der ausgedehnten Agrarflächen aus Lohn und Brot gefallen und heute nur schwer in neue Arbeitsfelder des Dienstleistungssektors zu integrieren ist. Diese qualitativen Merkmale und Veränderungen der Bevölkerung bergen die größten Risiken. So wird noch in diesem Jahrzehnt ein eklatanter Facharbeitermangel erwartet, der die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft auf den Prüfstand stellen wird*6 und die jüngsten Hochrechnungen sagen Sachsen-Anhalt eine Zukunft als „Europas Altenheim“ voraus: in keiner anderen europäischen Region wird für die kommenden 20 Jahre ein höheres Durchschnittsalter erwartet als hier.*7

Woran mag es nur liegen, dass das Land bei so vielen wichtigen Werten die hinterste Stelle in den Statistiken einnimmt? – Die Städte verfügen über viel geschichtliches Potential und räumliche Qualitäten. Die Menschen lieben ihre Heimat, sie sind fleißig und stehen nach Aussage der Landeskampagne sogar früher auf als ihre Nachbarn. Die verantwortlichen Politiker haben im Vergleich zu den Anrainerstaaten auch keine erkennbaren strukturellen Fehler begangen, die das Phänomen erklären könnten. Dennoch gleicht das Land heute, 20 Jahre nach der Wiedervereinigung einer innerdeutschen Peripherie. Ein Transitland mit 250 neuen Gewerbegebieten, von denen nur ein Bruchteil besetzt ist, meist mit flüchtigen Großarchitekturen global agierender Logistikunternehmen.

Ließe sich dennoch hier anknüpfen und beispielsweise das ganze Land als eine große Stadt denken, deren zentrale Orte über leistungsfähige Netze verbunden sind, könnte also der weitere Ausbau der Infrastruktur zu einer effizienten, demografisch stabilen Netzstadt führen? – Wohl kaum, schon in der Vergangenheit wurde allzu sehr auf Infrastruktur gesetzt und die Ausstattung strukturschwacher Räume mit verkehrlicher Infrastruktur hat nicht zu deren Stabilisierung beigetragen. Im Gegenteil, mit der Reduzierung des Raumwiderstands wurde die Entleerung des Raums sogar beschleunigt. Zurück bleiben verwaiste, vierspurige Trassen – angesichts der vor uns liegenden „Post-Oil-Society“ sind es verlorene Investitionen, die zudem langfristig Mittel für den Unterhalt binden, die dringend andernorts gebraucht würden. Die Bahn reagiert schon heute auf das perspektivisch nachlassende Quellverkehrsaufkommen. An Hand von Studien von Tochterunternehmen wird der Rückzug aus den unrentablen Netzen Ostdeutschlands politisch vorbereitet. Argumentiert wird für die Bündelung aller verfügbaren Ressourcen zu Gunsten des Ausbaus der Netze in den wachsenden Ballungsräumen, vorwiegend in den westdeutschen Ländern.*8

Die Ausrichtung aller Klein- und Mittelstädte auf die Oberzentren und deren Transittrassen (A14/A9/A4) hat sich aus heutiger Sicht nicht ausgezahlt. Es klingt paradox, aber es scheint mehr Sinn zu machen, den Raumwiderstand perspektivisch wieder zu erhöhen und nach endogenen Entwicklungspotentialen an den Rändern zu suchen. Ohnehin ist auffällig, dass sich alle ICE-Bahnhöfe des Landes in Klein- und Mittelstädten an den Rändern befinden. Zudem sind dort die landschaftlichen Potentiale und die kulturellen Identitäten am größten.

Historische Raumbezüge und Grenzgeografien

Sachsen-Anhalt ist eine künstliche Formation, die im vergangenen Jahrhundert mehrfach politisch konstruiert und de-konstruiert wurde. Noch während des 2. Weltkrieges wurde die Provinz Sachsen, die große Teile des heutigen Thüringens umfasste, aufgelöst. Die beiden daraus hervorgegangenen Provinzen Magdeburg und Halle-Merseburg wurden nach Kriegsende von der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) im Juli 1945, zusammen mit dem Freistaat Anhalt (um Dessau), zur neuen Provinz Sachsen vereinigt, die ab 1947 als Land den Namen Sachsen-Anhalt trug. Bereits 1952 wurde Sachsen-Anhalt im Zuge einer Verwaltungsreform der DDR als Land wieder aufgelöst und in die beiden Bezirke Halle und Magdeburg aufgeteilt. Erst mit der Deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 erfolgte die Neubildung des Landes Sachsen-Anhalt auf den Territorien der ehemaligen DDR-Bezirke Halle und Magdeburg. Im Verlauf der multiplen Teilungen und Fusionen kam es beständig zu Grenzregulierungen. Lediglich die Westgrenze zu Niedersachsen, die aus den Verhandlungen der Allierten zur Lage und Größe der sowjetischen Besatzungszone aus den Konferenzen von Jalta und Potsdam hervorging, blieb als politisch motivierte Grenze der deutschen Kriegs- und Nachkriegsgeschichte bestehen. (Abb.3/ Abfolge historischer Grenzgeografien)

Diese artifizielle Grenzgeografie spiegelt sich heute in einer starken Heterogenität wider, die eher an eine Föderation verschiedener Teilregionen erinnert, als an ein ganzheitliches, kultur-historisch gewachsenes Land. Dies mag ein Grund dafür sein, weshalb sich die Städte nicht in dem Maße entwickeln konnten, wie es ihrem gewachsenen, kulturräumlichen Potential entspricht. Das gilt in besonderem Maße für die Ränder des Landes. Hier befinden sich ausnahmslos die Regionen mit den stärksten kulturlandschaftlichen Identitäten, denen aber im Zuge der historischen Grenzregulierungen ihr traditionelles Hinterland abhanden gekommen ist: Das Burgenland erfährt eine Fortführung in Thüringen, der Harz liegt im Länderdreieck zu Niedersachsen und Thüringen, die Altmark gilt als Wiege Brandenburgs, die Ostgrenze zählt landschaftlich zum Fläming und orientiert sich ebenfalls zum nordöstlichen Nachbarn. Der Südosten wiederum liegt räumlich in der Leipziger Tieflandsbucht und weist große wirtschaftliche Verflechtungen mit Sachsen auf. Eine stabile Entwicklung des Landes scheint an den Fliehkräften dieser historischen Raumbezüge und deren Blockade durch die bestehenden politischen Grenzen zu scheitern.

Cluster-Cities

Um die gegenwärtige Abwärtsspirale zu durchbrechen benötigen das Land und seine Städte auch nach Ablauf der IBA dringend Konzepte, die der langfristigen Stabilisierung dienen und Strategien, die in einer deutlichen, räumlichen Konzentration der verblieben Wohnbevölkerung münden. Sinnvoll erscheinen vernetzte Ballungsräume mit rund 500.000 Einwohnern. Den Städten als Zentren kultureller und technischer Innovation sowie wirtschaftlicher und demografischer Stabilität kommt hierbei eine besondere Rolle zu.

Betrachtet man die Städte Sachsen-Anhalts hinsichtlich klassischer Indikatoren wie Industrieansiedlungen und Erwerbsarbeit, Hochschulstandorten, sozialer und demografischer Stabilität, infrastruktureller Anbindung an das Bundesautobahnsystem und die Schnellbahntrassen der Bahn sowie ein in weitestem Sinne städtisches Milieu, finden sich letztlich nur sechs Städte, von denen nicht eine einzige alle Indikatoren eines stabilen, städtischen Innovationszentrums erfüllt. (Abb.4/ Sechs städtische Innovationszentren)

Auch sind die Städte deutlich zu klein. In einer Welt der Mega-Cities und in einem Europa der Metropolregionen bringen selbst die größten Städte Magdeburg und Halle, mit jeweils rund 230.000 Einwohnern, schlicht nicht genügend Gewicht auf die Waage, um im internationalen und nationalen Wettbewerb bestehen zu können. Die Zukunft dieser in Relation zum europäischen Städtenetz „kleinen Großstädte“ wird deshalb von ihrer Fähigkeit und ihrem politischen Willen abhängen, sich zu vernetzen, und auf Basis ihrer tradierten Human-Ressourcen und Standortbegabungen neue „Cluster-Cities“ zu bilden.

Die Grundlagen dazu sind partiell durchaus gegeben, denn nicht überall hängt der wirtschaftliche Strukturwandel hinterher. Früh wurde in Sachsen-Anhalt auf erneuerbare Energien gesetzt und die mutige Investition in Innovation zahlt sich heute aus. Viele der im Schwermaschinenbau geschulten und gebundenen Human- und Ingenieursressourcen von Magdeburg haben ein neues Betätigungsfeld in der Konstruktion und dem Bau von Windkrafträdern gefunden und Monika Maron beschreibt jenseits aufsteigender wirtschaftlicher Zahlenketten den Imagewandel der Industrieregion Bitterfeld-Wolfen von der ehemaligen Dreckschleuder der DDR zum sauberen Solar-Valley von Sachsen-Anhalt. In Dessau ist mit dem Umweltbundesamt zudem ein Think-Tank und potentieller Auftraggeber für Fragen rund um Klimawandel und erneuerbare Energien lokalisiert.

Daran anknüpfend ist eine „Cluster-City“ denkbar: Die Städte Magdeburg (eco-engeneering), Dessau (eco-knowledge), Wolfen-Bitterfeld (eco-production) und Wittenberg könnten auf der Grundlage ihres technologischen Know-hows für erneuerbare Energien und ihrer naturräumlichen Verknüpfung durch die Elbe als „Eco-City“ firmieren. In Dessau sollte ergänzend zum Umweltbundesamt ein staatliches Bildungs- und Forschungszentrum angesiedelt werden.

Im Norden besteht das Potential für einen Mini-Pol mit ICE-Bahnhof entlang der Achse Stendal-Gardelegen, der der Stabilisierung der Altmark dienen könnte, wie im IBA-Konzept der beiden Städte ohnehin angelegt. Halle ist auf Grund seiner Nähe zu Leipzig nur bedingt der Einflusssphäre von Sachsen-Anhalt zuzuordnen, besitzt aber dafür das Potential eines infrastrukturell und logistisch gut vernetzten Städte-Doubles im Zentrum der Metropolregion Mitteldeutschland – wäre da nicht die Landesgrenze und mit ihr die eingeschränkte Entwicklungsmöglichkeit. (Abb.5/ Cluster-Cities)

Erneuerung und Entgrenzung der Ränder

Wie aber lässt sich der Restraum stabilisieren? – Das Beispiel Halle/ Leipzig zeigt exemplarisch die Problematik der bestehenden Grenzsituationen und das Potential, das in den historischen, wirtschaftlichen und kulturräumlichen Bezügen bestünde. Die in Mitteldeutschland ansässigen Wirtschaftsunternehmen haben diese politisch administrativen Hemmnisse früh erkannt und bereits im Jahr 2000 eine Initiative mit dem Ziel ins Leben gerufen, Länder übergreifende Kooperationen und Clusterbildungen im Dreiländereck Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen zu ermöglichen.*9 Auf politischer Ebene wurde diese Notwendigkeit einer vernetzten und starken Position Mitteldeutschlands im europäischen Kontext erst viel später erkannt. Mitte 2009 wurde das ursprünglich auf die sächsischen Großstädte beschränkte „Sachsen-Dreieck“ umbenannt in Metropolregion Mitteldeutschland und besteht heute aus einer Kooperation der Städte Chemnitz, Dresden, Erfurt/ Weimar/ Jena, Halle, Gera, Leipzig, Magdeburg und Zwickau.*10

Keine Beachtung finden bislang mögliche Kooperationen und die Bildung von Städtenetzen in Grenzregionen des ländlichen Raums. Dabei besteht gerade hier großer Handlungsbedarf und, das zeigen die historischen Grenzgeografien, auch großes Entwicklungs- und Erneuerungspotential. (Abb.6/ Kulturhistorische Grenzräume mit Entwicklungspotential)

Die Zukunft der mitteldeutschen Städte kann deshalb nicht nur auf die Bildung von urbanen „Cluster-Cities“ und deren Länder übergreifende Kooperation beschränkt bleiben, sondern muss auch den Aufbau von „Ruralen Republiken“ einschließen, die stabile Pole im ländlichen Raum bilden. Dies sollte auch die Verhandlung und sinnfällige Arrondierung der politisch motivierten Grenzziehungen zu den Nachbarländern beinhalten.

In Bezug auf ihren tradierten Kulturraum, ihre Standortbegabungen und ihre Städtehierarchie sollten die Teilregionen eigene, spezifische Raummodelle entwickeln. Ziel ist hier eine auf schrumpfende Bevölkerung und degressive Finanzhaushalte hin abgestimmte Strategie der Selbstverantwortung im Sinne regionaler Wertschöpfungsketten und einer relativen Unabhängigkeit. „Rurale Republiken“ können Politikfelder einer neuen föderalen Zusammenarbeit und ressortübergreifender Finanzierung sein. Sie sind Motoren der Fusion. Über kurz oder lang werden die Ländergrenzen verschwinden.

(Abb.7/ Strategie Rurale Republiken und Cluster-Cities)

 

Republic of Harz

Gegen Ende 2010 kam es zu ersten informellen Treffen von Bürgermeistern der 22 größten Gemeinden des Harz Umfeldes, mit dem Ziel einen gemeinsamen Wirtschafts- und Verwaltungsraum zu diskutieren. Auf der Grundlage eines Strategiepapiers in dem eine konsequente arbeitsteilige Raumnutzung gegliedert nach Erholung-Gesundheit-Kultur festgelegt wurde, beantragten die Bürgermeister 2011 die Gründung der Republic of Harz (RoH) bei den Ländern Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen.

2012 wurde die RoH offiziell als erste Rurale Republik Mitteldeutschlands anerkannt. Auf Grund ihrer 800.000 großen Einwohnerzahl wurden der RoH 20% der jährlichen Haushaltsmittel des Landes Sachsen-Anhalt und je 5% der Haushaltsmittel der Länder Thüringen und Niedersachsen zu ihrer Selbstverwaltung zugebilligt. Festgelegt wurde, dass die Hauptstadt der Republik im 2-Jahres-Rhythmus wechseln sollte. Es werden bis heute Biennalen veranstaltet, die den Fortschritt und die kritische Reflexion der RoH zum Thema haben.

In den ersten Jahren wurden die meisten Ressourcen in den Ausbau der Ringbahn und der Ringstraße gelenkt. Die Bahn zirkuliert heute im 10-Minuten-Takt. Jeder Ort ist in max. 60 Minuten erreichbar. Die Ringstraße spielt heute eine untergeordnete Rolle, da der Verkehr von außen ab 2025 drastisch unterbunden wurde und viele Einwohner komplett auf den öffentlichen Nahverkehr umgestiegen sind.
Der Burgensaum mit der Weltkulturerbestätte Quedlinburg hatte zu Beginn ebenfalls oberste Priorität, um neben den natürlichen Ressourcen die kulturellen Leuchttürme der RoH international bekannt zu machen. Parallel wurde der sogenannte „Klinik-Kreis“ ins Leben gerufen. Die Chefärzte der ursprünglich 23 Kliniken treffen sich bis heute monatlich. Die Expansion der heute über 50 Kliniken fußt auf einem ausgeklügelten Spezialisierungs- und Marketingkonzept. Die RoH verfügt heute über eines der dichtesten und spezifiziertesten Klinikangebote in ganz Deutschland.

Als weitere Initiative wurde ab 2015 die Vernetzung aller Bildungseinrichtungen vorangetrieben und Synergien mit ansässigen Produktionsstätten gesucht. Aufbauend auf den lokalen Wasserkraftanlagen und den Forschungsergebnissen der Universität in Clausthal-Zellenfeld wurden neue Technologien und Produktreihen zu den Themen Natur und regenerative Energien entwickelt, die heute vorwiegend in der Ebene des Südwest Harzes in kleinen Manufakturen produziert und exportiert werden. Aus dieser Initiative ging auch die Suche nach Potential-Standorten für Windenergie hervor. Nachdem zunächst die lokalen Ressourcen für Wasserkraft weiter ausgebaut wurden kam es ab 2020 zu einem verstärkten
Einsatz von Windkraft im südlichen Niederharz und im Mansfelder Land. Die damals neuste Generation von 250m hohen Krafträdern wurde sensibel nach präzisen Gestaltungsprinzipien in die Landschaft eingepasst und gilt heute als Landschaftsdenkmal des frühen Post-Oil-Zeitalters. Die RoH ist heute komplett Energie autark und zudem einer der größten Produzenten für regenerative Energien in Ostdeutschland. Über die Exportgewinne können Produkte und Dienstleistungen importiert werden, die auf dem Territorium nicht vorhanden sind bzw. bewusst nicht angesiedelt werden. (z.B. Chemische Industrie). Die Entscheidung, den Niederharz komplett von Bebauung freizuhalten und stattdessen ein befahrbares Reservat für Wildtiere anzulegen hat sich als richtig herausgestellt. Mittlerweile ist der CO-2 Handel sprunghaft angestiegen in die RoH profitiert von ihrem großen Anteil an Natur und nicht versiegelter Fläche.

Trotz großer Anstrengungen den CO-2 Ausstoß zu reduzieren ist die Temperatur in Europa
Im Laufe der Jahre bis zu 2° angestiegen. In den südlichen Harzausläufern wird seit 2030 Wein angebaut. Da die Sommer in Mittelitalien heute zu heiß und zu trocken sind, kommen immer mehr Urlauber in die „Toskana des Nordens“. Nordhausen hat sich zu einem kulinarischen Zentrum entwickelt und viele Besucher sind Dauergäste, sie besitzen kleine Ferienhäuser in den Weinbergen. Aus Marketing und Imagegründen wurden die Industrieansiedlungen im Nordwest Harz in der Öffentlichkeit nie groß erwähnt. In den Betrieben des Werkzeug- und Maschinenbaus und der Lebensmittelverarbeitung sind aber nach wie vor etwa 10% der Einwohner der RoH tätig.

Nach anfänglichen Bevölkerungsrückgängen konnte die RoH um 2020 ihre alte Einwohnerzahl von 800.000 durch Migrationsgewinne aus dem umliegenden ländlichen Raum wieder erreichen. Insbesondere der wachsende Arbeitsmarkt und der hohe Besatz an Gymnasien und weiterbildenden Schulen haben viele junge Familien dazu bewogen in die RoH zu übersiedeln. Auf Grund der guten Lebens- und Umweltbedingungen stieg auch die Geburtenziffer wieder und die RoH erreichte 2030 die Marke von 900.000 EW, die bis heute stabil geblieben ist. Die RoH gehört heute zu den Regionen mit dem geringsten Durchschnittsalter in Mitteldeutschland.
 (Abb.6.1/ Republic of Harz)

 

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