BAUHAUS LECTURES - DESIGNING ECOLOGIES

Fakten

19.5.2010, 20:30 Uhr - 22:00 Uhr

Ort

Aula, Bauhaus Dessau
Gropiusallee 38

Veranstalter

Hochschule Anhalt, Stiftung Bauhaus Dessau, Umweltbundesamt


urbikon verantwortlich
Kai Dolata,

 

 

Grafik: Prof. J. Aring, Uni Kassel

 

Grafik: Prof. J. Aring, Uni Kassel

 

Sachsen-Anhalt 2010

Bevölkerungsentwicklung

Sachsen-Anhalts Bevölkerung schrumpft - gewaltig, allein die Prognosen bis 2025 sagen einen Rückgang der Einwohner um 8-23% (nach Landkreisen) voraus, bis 2050 geht man von einer Halbierung der Einwohnerzahl seit der Wende aus. Vor allem die östlichen und südlichen Landkreise werden noch viele ihrer Einwohner verlieren, während die drei kreisfreien Städte und die westlichen Landkreise aufgrund ihrer Lage zu Niedersachsen relativ stabil bleiben - wenn man hier von Stabilität sprechen kann. Interessant wird das ganze aber bei detaillierterer Betrachtung innerhalb eines Landkreises.

Bevölkerungsverteilung

Dadurch das die Einwohnerdichte nur auf Landkreisebene erhoben wird, ergeben sich Unschärfen in der Betrachtung zwischen Städten und ländlichem Raum. Die Abwanderung in der Region ist viel stärker als in den Städten. Prof. Aring von der Uni Kassel hat in einer Studie zum Landkreis Stendal einen Vergleich versucht. Würden alle Bewohner des Landkreises bis 2025 in die zehn Städte umsiedeln, könnten diese über einen Betrachtungshorizont von 35 Jahren ihre Einwohnerzahl annähernd halten mit dem Ergebnis, dass das umgebende Land leer ist.

Ein provokatives Bild - zugegeben. Man kann es nicht vollständig auf Sachsen-Anhalt übertragen, dennoch werden einige Städte relativ zugewinnen, während die Landflucht stärker ausfallen wird. Vor allem die ausgebildete Jugend verlässt das Land und zurück bleiben werden „nicht-mehr-abwanderungsfähigen“ Bevölkerungsteile (Alte, Schulabbrecher, Personen mit Grundeigentum oder starken sozial-räumlichen Bindungen).

Flächenverteilung

Sachsen Anhalt ist ein landschaftlich geprägtes Land. Daran haben weder die Ottonen noch die Industrialisierung in der Gründerzeit oder der DDR etwas geändert. 57% der Fläche sind landwirtschaftlich genutzte Areale, 24% Wald, gut 2% Wasser (inkl. der Stauseen im Harz). Zudem gehören ca 15% der Landschaftsflächen dem NATURA 2000 Status - also unter besonderem Schutz stehende Landschaftsflächen - an.

Nur 5,5% beträgt der Anteil an Siedlungsfläche in dem jedoch die Hälfte der Bevölkerung lebt - Sachsen-Anhalt: ein Agrarland.

Exkurs Geschichte

Aber: Sachsen-Anhalt ist auch voll von Geschichte, einige der Städte kann man als Wiege der Deutschen bezeichnen. Kaiserpfalz und Kaiserkrönung, Straße der Romanik, Dome und Kirchen zeugen von einer bedeutsamen Vergangenheit. Der Fläming war schon vor 10.000 Jahren der natürliche Grenzraum zwischen Germanen und Slawen, die Flusslandschaft der Elbe steht auf der UNSECO Welterbeliste, Burgenland und Harz haben eine - zum Teil ebenfalls mit UNESCO Titel belegte - Jahrhunderte alte Tradition.

Sachsen-Anhalt ist dennoch eine künstliche Formation. Das Bundesland in seinen heutigen Grenzen besteht erst seit 1990, doch auch vorher durchlebte die Region ein bewegtes Dasein. Allein im letzten Jahrhundert gab es immer wieder Grenzverschiebungen, Zusammenschlüsse und Abgrenzungen. Von der Provinz Sachsen im Königreich Preußen mit vielen kleinen Herzogtümern, über die Provinz Anhalt kurz nach dem 2. Weltkrieg. bis zur Aufteilung in die Bezirke der DDR: die administrative Zugehörigkeit wurde politisch bestimmt.

Diese artifizielle Grenzgeografie spiegelt sich heute in einer starken Heterogenität wider, die eher an eine Föderation verschiedener Teilregionen erinnert, als an ein ganzheitliches, kultur-historisch gewachsenes Land.

Städte // Landschaftsraum

Dies mag ein Grund dafür sein, weshalb sich die Städte nicht in dem Maße entwickeln konnten, wie es ihrem gewachsenen, kulturräumlichen Potential entspricht. Das gilt in besonderem Maße für die Ränder des Landes. Hier befinden sich ausnahmslos Regionen mit den stärksten kulturlandschaftlichen Identitäten, denen aber im Zuge der historischen Grenzregulierungen ihr traditionelles Hinterland abhanden gekommen ist: Das Burgenland erfährt eine Fortführung in Thüringen, der Harz liegt im Länderdreieck zu Niedersachsen und Thüringen, die Altmark gilt als Wiege Brandenburgs, die Ostgrenze zählt landschaftlich zum Fläming und orientiert sich ebenfalls zum nordöstlichen Nachbarn. Der Südosten wiederum liegt räumlich in der Leipziger Tieflandsbucht und weist große wirtschaftliche Verflechtungen mit Sachsen auf. Eine stabile Entwicklung des Landes scheint an den Fliehkräften dieser historischen Raumbezüge und deren Blockade durch die bestehenden politischen Grenzen zu scheitern.…………

 

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